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Hintergrund

Was Jahrtausende lang selbstverständliches Beschäftigungsfeld der GärtnerInnen und BäuerInnen war, ist heute in der Hand weniger Unternehmen: die Zucht und Vermehrung von Saatgut. In den Industrie-Nationen ist der Markt schon weitestgehenst durchkommerzialisiert und zentralisiert sich zusehends.

In vielen Regionen des globalen Südens spielen informelle Saatgutsysteme- vor allem der eigene Nachbau und lokaler Tausch- für die Versorgung einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft häufig noch die Hauptrolle. Diese bäuerliche Praxis als Basis der Kulturpflanzenvielfalt und Ernährungssouveränität ist jedoch bedroht.

Schlechter Zugang zu Ressourcen und angepasstem Wissen führt dazu, dass Kleinbäuer_innen häufig zu den Hungernden dieser Welt gehören. Restriktive Saatgutgesetzgebungen erschweren die Nutzung von Vielfaltssaatgut oder delegitimieren sie sogar. Mit aggressiven Markterschliessungsstrategien verdrängen Agrarkonzerne lokales Saatgut durch Hybrid- und Gentechnik-Saatgut. Und die Leitlinien einer internationalen (Handels-)Politik fördern eine ressourcenintensive und großflächige Landwirtschaft zu Ungusten angepasster lokaler agrarökologischer Systeme.

Global beschleunigt wird dieser Prozess durch Saatgutregulierungen (wie z.B. UPOV 1991), die die bäuerliche Rechte am Saatgut nicht berücksichtigen und deren Einführung als Teil von internationalen und bilateralen Handelsabkommen und im Rahmen von sogenannten Entwicklungsinitiativen (u.a. G8-New Alliance for Nutrition and Food Security) häufig gefordert wird.

Zukunftsweisend

Doch es gibt in dieser Situation auch positive Entwicklungen, an die angeknüpft werden kann. Zum Beispiel haben in Indien, nach den Erfahrungen aus den 1970er Jahren und angesichts der drohenden Privatisierung des Saatgutsektors, viele hundert Millionen Klein- und Mittelbäuer_innen, unterstützt von Fachexpertise und zivilgesellschaftlichen Organisationen, gegen den Privatsektor eine eigene Saatgutgesetzgebung erkämpft. Diese hat Beispielcharakter, weil sie die wichtige Rolle der Bäuer_innen als Züchter_innen anerkennt und dementsprechende Rechte gewährt.

Auch in der europäischen Auseinandersetzung um eine neue Saatgutverordnung wurde deutlich, dass es eine wachsende Bewegung für bäuerliches und Vielfalts-Saatgut gibt. Bündnisse zwischen Landwirt_innen, Ökozüchter_Innen, Umweltverbänden und anderen Aktivist_innen wurden gegründet. Das Engagement führte schliesslich dazu, dass der kritisierte Gesetzesvorschlag der Europäischen Kommission für eine einheitliche EU-Verordnung über die Erzeugung und Vermarktung von Pflanzenvermehrungsmaterial (Saatgut) 2014 vom EU-Parlament abgelehnt undd im März 2015 offiziell zurückgezogen wurde.

Als afrikanische Antwort auf die „New Alliance for Nutrition and Food Security“, ein stark kritisiertes Programm der G8 aus dem Jahre 2012 zur Förderung von Public-Private-Partnerships in Afrika, hat sich bereits die „Alliance for Food Sovereignty in Africa“ (AFSA) gebildet. Diese panafrikanische Plattform umfasst verschiedene Netzwerke und bäuerliche Organisationen und versucht damit der bäuerlichen Landwirtschaft eine lautere Stimme zu geben um die Vielfalt der ländlichen Lebens- und Anbauweisen zu erhalten und zu verbessern und um den Widerstand gegen die Industrialisierung zu verstärken.